Fotoausstellung "Hindernisse"

Barrieren abbauen

Das ist ein Ziel, das Horst Seehofer in seiner Regierungserklärung im November 2013 vorgegeben hatte. Bayern soll bis 2023 im gesamten öffentlichen Raum und im gesamten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) barrierefrei werden.

Die hohe Bordsteinkante, das unebene Kopfsteinpflaster oder der fehlende Lift am Bahnhof zählen zu real existierenden Barrieren im Alltag von Menschen, die eingeschränkt mobil sind. Diese, meist baulichen Hürden, sind in der Regel schnell zu erkennen.

Es lohnt aber ein zweiter Blick auf die Dinge. So kommt ein/e Hörgeschädigte/r schnell an seine/ihre Grenzen, wenn es um eine undeutlich gesprochene Durchsage am Flughafen oder am Bahngleis geht. Was oder wer hilft, wenn eine Person mit Lernschwäche den Beipackzettel eines Medikamentes lesen möchte oder ein anerkannter Asylbewerber seinen Lohnsteuerjahresausgleich ausfüllen muss. Kurze Texte, Bilder zum Text oder Umgangssprache würden Erleichterung bringen.

Fotoausstellung "Hindernisse"
Bild: www.connykurzfoto.de

„Ich finde, es gibt im Landkreis genügend Schwerbehinderten-Parkplätze. Oft sind diese aber von Nichtberechtigten blockiert. ‚Ich wäre ja gleich weggefahren‘ hilft dem Behinderten nicht. Wenn der Behindertenparkplatz belegt ist, kann ein Berechtigter diesen nicht anfahren.“

Walter Eichner, August 2019

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Wer alleine mit Kind und Kinderwagen unterwegs ist, weiß, dass eine Treppe auch für Menschen ohne Behinderung zu einer Barriere werden kann. Fehlt noch der Aufzug, bleibt die Hoffnung auf hilfsbereite Mitmenschen, um dieses Hindernis sicher zu überwinden. Ansonsten kann auch ein scheinbar einfacher Weg zu einer kräftezehrenden Angelegenheit werden.

Susanne Quill, August 2019

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„Die Tür ist ganz schwer. Ich konnte sie nicht leicht öffnen. Aber ich bin stark, deshalb habe ich sie doch aufbekommen. Ich wünsche mir Türen, die von alleine aufgehen.“

Nils, 5 Jahre, August 2019

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„Wir würden uns gerne informieren, um selbständige Entscheidungen treffen zu können. Viele Artikel sind für uns aber zu klein geschrieben oder auch zu schwer zu verstehen. Leichte Sprache mit einer großen Schriftgröße wäre hier sehr hilfreich.“

Lisa Held und Sabrina Echtler, August 2019

Gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung

Ein großes Thema in diesem Bereich ist die gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen mit geistiger Behinderung. Diese ist nicht immer offensichtlich. Was, wenn sich das Kind im Restaurant oder im Biergarten nicht normal verhält, wenn es aufgrund seines angeborenen Gendefekts einfach mal los brüllt oder Tiergeräusche imitiert. Schnell wird dann getuschelt oder gar abfällige Blicke ausgetauscht.

Nicole Vokrouhlik von der Koordinationsstelle Inklusion im Landratsamt Landsberg am Lech ist zusammen mit der Beauftragten für Menschen mit Behinderung und Senioren, Barbara Juchem für das Fotoprojekt verantwortlich. Die Aufnahmen sollen die Augen für die Barrieren und Hindernisse im Alltag öffnen und aufzeigen, dass nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Senioren, Kinder und Familien betroffen sind.

Auch Landrat Thomas Eichinger weiß, dass eine barrierefreie Umgebung nicht einfach zu erreichen ist. Mit den Verantwortlichen ist er sich einig: „Es ist noch ein weiter Weg, die Barrieren in den Köpfen und im Alltag abzubauen. Aber erst, wenn sich alle Menschen frei bewegen können, haben wir unser Ziel erreicht“.

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„Engstelle Alte Bergstraße: Inklusion im Kleinen fängt mit gegenseitiger Rücksicht-nahme an. Dies gilt besonders dann, wenn der verfügbare Platz für alle begrenzt ist. Parkt das Auto auf dem engen Fußweg, muss der Fußgänger ausweichen. Roll-stuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren ist ein Ausweichen nicht möglich.“

Jonas Pioch, August 2019

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„Das Überqueren des Hauptplatzes ist für mich immer wieder eine Herausforderung. Die Regenrinne stellt eine große Barriere dar und das Passieren erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Es gibt einen Bereich für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator, der das Überqueren der Straße einfacher macht. Anstrengend ist es aber auch dort.“

Horst Bebst, August 2019

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„Wenn man mit dem Rollator durch das Leben geht, ist vieles plötzlich anders. Der Weg durch das Kiesbett auf dem Friedhof ist anstrengend und braucht Zeit.“

Alois Lechner, August 2019

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„Als Arbeitnehmer muss ich regelmäßig den Einkommenssteuerantrag ausfüllen. In meinem Herkunftsland Syrien gibt es so was nicht. Viele Fragen auf dem Formular verstehe ich, trotz meiner wie ich finde guten Deutschkenntnisse, nicht.“

Adnan Albakr, August 2019

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Bild: seidl-cesare@t-online.de

„Wenn ich eine Ausstellung oder eine Veranstaltung im Rathaus besuchen möchte, bin ich auf den Aufzug angewiesen. Oft stehe ich vor einem defekten Aufzug und muss wieder nach Hause gehen.“ 

Anja Charafeldin, August 2019

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„Vor dem Caritas-Seniorenzentrum Heilig-Geist-Spital führt ein gepflasterter Weg zur alten Stadtmauer. Der Pflasterbelag hört ca. 2 m vor dem Tor auf und geht in eine Wiese über. Man kann den Rundweg, der einem auch einen Blick auf die Stadt Landsberg am Lech erlaubt, weder mit Rollator noch mit Rollstuhl erreichen.“

Ulrike Bauer, Erna Dobisch, Bärbel Heike, Christa Uhlmann, Anita Obermeier, Irmgard Kral

August 2019

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Bild: seidl-cesare@t-online.de

„Aufgrund starker Spastiken bin ich von Geburt an auf Hilfsmittel angewiesen. Je nach Tagesform und zurückzulegender Strecke auf Gehhilfen oder auf den Rollstuhl. Der Belag des reservierten Parkplatzes ist für beide Varianten denkbar ungeeignet.“

Christoph Jell, August 2019

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„Diese Türen sind zu schwer für mich. Mit der einen Hand halte ich den Rollator, mit der anderen muss ich die Türe öffnen. Ich wünsche mir Türen, die sich automatisch öffnen.“

Doris Muschler, August 2019

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„Ich muss zur Führerscheinstelle. Die Mitarbeiterin des Landratsamtes gibt sich sehr viel Mühe. Trotzdem: die Kommunikation zwischen einem Gehörlosen und einem Hörenden, der keine Gebärdensprache kann, ist ein großes Problem.“

Kathrin Ernst, August 2019

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„Ich kann nicht alles lesen. Das ist nicht schön, da ich nicht weiß, wann der Bus fährt. Ich freue mich, wenn ich groß bin. Dann kann ich alles lesen.“

Malena, 7 Jahre, August 2019

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„Ich stehe am Informationsschalter im Landratsamt. An der dicken Scheibe konnte ich die Dame dahinter nicht gut hören. Ich musste mein Ohr auf Grund der anderen Geräusche abschirmen, um sie zu verstehen.“

Regina Simon, August 2019

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„Menschen mit einer Sehbehinderung brauchen freie Wege. Der Sonnenschirm steht mitten auf dem Weg. Ich wünsche mir, dass die anderen Personen sensibler werden und darauf achten, dass sich alle Menschen ungehindert bewegen können.“

Thomas Vögele, August 2019

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